Autohaus in Hanstedt
Autohaus in Hanstedt
 

"Wir ver-ahornen und ver-efeuen"

Wenn sich die Pflanzenwelt verändert: Erkenntnisreicher Klimaspaziergang durch Hanstedt

Hanstedt. 28.09.2026. Beim kürzlichen Klimaspazierung kamen am Hanstedter Rathaus über 25 Interessierte zusammen, um bei milden 25 Grad den Worten von Matthias Schuh und Prof. Dr. Heinke Schlünzen zu lauschen. „Wie passen sich Pflanzen an das Klima an?“, war die Frage des Abends.

Zuerst erklärte Meteorologieprofessorin Schlünzen im Ratssaal, wie der Klimawandel schon jetzt zu einer Verschiebung der Jahreszeiten geführt hat. Es findet eine maßgebliche Verkürzung des Winters statt und damit eine Verlängerung der Wachstumsperiode für Pflanzen. Zu den immer höheren Jahresmitteltemperaturen tragen alle Jahreszeiten bei, wobei die phänologischen Jahreszeiten, die anhand der Vegetationsentwicklung bestimmt werden, alle früher kommen als in den vergangenen Jahrzehnten.
 
 
„Wie passen sich Pflanzen an das Klima an?“ – dieser Frage gingen Prof. Dr. Heinke Schlünzen und Pflanzenexperte Matthias Schuh mit Interessierten auf einem Info-Spaziergang durch die Ortsmitte von Hanstedt nach. Fotos: SG Hanstedt
 
Nach der Werbung weiterlesen.
SliderImage SliderImage
 
Die höheren Temperaturen führen zu höheren Jahresniederschlägen, bedingt vor allem durch erhöhten Winterniederschlag. „Die bisher aufgetretenen Veränderungen werden sich weiter verstärken, wenn wir den intensiven Klimaschutz nicht deutlich voranbringen“, so Professorin Schlünzen.

Nach dem Vortrag wurde bereits lebhaft diskutiert, wie die veränderten klimatischen Bedingungen invasive Pflanzenarten – sogenannte Neophyten – begünstigen können, während sie manchen heimischen Arten schwer zusetzen. Die Diskussion wurde anschließend beim Spaziergang durch Hanstedt fortgesetzt, bei dem ausschließlich Begleitvegetation, umgangssprachlich Unkraut oder auch – deutlich wertschätzender - „Spontan-Vegetation“ betrachtet wurde. Dafür übernahm Matthias Schuh, der seit vielen Jahren Museumsgärtner im Kiekebergmuseum ist: „Wir haben in Niedersachsen bereits zwischen 20 und 30 Pflanzenarten verloren, allein in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren“, so Schuh.
 
Nach der Werbung weiterlesen.
SliderImage
 
Neophyten, wie die kanadische Goldrute oder wilde Hirsearten, füllten diese Lücke, da sie das wärmere Klima benötigen, so der Experte. Sie seien „Klimawandelprofiteure“. Aber auch manche heimischen Pflanzen gedeihen unter den neuen Bedingungen gut: „Wir ver-ahornen und ver-efeuen“, so das Statement des Museumsgärtners. Aufgrund abnehmenden Frosts in den Wintermonaten können sich unter anderem Ahorn und Efeu sehr gut selbst vermehren.

Während des kurzen Weges wurde Einblick in viele verschiedene Biotoptypen gegeben, es wurden heimische und neue Pflanzenarten vorgestellt und praktische Alltagstipps ausgetauscht, z.B. welche Bodendecker für den eigenen Garten verwendet werden können oder mit welcher App wir uns bei eigenen Spaziergängen kundig machen können.
 
Nach der Werbung weiterlesen.
SliderImage
 
Außerdem appellierten beide Experten an die Teilnehmenden: "Unbedingt Regenwasser sammeln!" Denn mit den Jahreszeiten verschieben sich auch die Niederschläge. Ein Vorschlag einer Teilnehmerin: Die nicht mehr benötigten Sammelgruben für den Winterniederschlag nutzen, so dass bei trockenem Sommer genug Wasser verfügbar ist. Im Sommer kommt teilweise viel Wasser auf einmal runter und fließt oftmals über Oberflächengewässer ab. Sinnvoller sei eine Speicherung – in Sammelgrube oder Regentonnen oder noch besser im Boden und schafft damit eine Verfügbarkeit für die Pflanzen, auch in den zunehmenden trockenen Perioden.

Die Interessierten konnten beim Spaziergang viel neues Wissen mitnehmen. Veranstaltet wurde der Abend von Klimawandel-Hanstedt-aktiv und der Samtgemeinde Hanstedt.